Zeche Herbede in Witten-Herbede

1913 - 1972


Übersicht Herbede


Schon 1849 wurden die ersten Grubenfelder unter dem Namen Holland verliehen. Dieser Name wurde auch alternativ im Volksmund anstelle von Herbede benutzt. 1912 erfolgte die Konsolidation zu den Herbeder Steinkohlenbergwerken. Beteiligt waren einige alte Stollenbetriebe, die aber kaum oder sehr unregelmäßig Kohle abbauten. Dies waren in Herbede:

St. Elias
Lediglich Elias Erbstollen (ab 1848 Vereinigte Elias Erbstollen) hatte ab 1787 eine geringe Förderung mit häufigem Stillstand. Nach 1831 kam der alte Stollen wieder in Betrieb. Gleichzeitig wurde der Erbstollen angelegt und eine Kohleschleppbahn zur Niederlage an der Ruhr. Danach fand gelegentlich ein Abbbau statt. Ab etwa 1860 betrug die Förderung durchschnittlich 3000 - 5000 t/a. 1895 endete der Betrieb. 1908 schloss die Gewerkschaft Industrie, in deren Steinbruch der Stollen lag einen Abbauvertrag ab. Dieser endete schon 1909. Vier Bergleute hatten nur 973 t gefördert. Später erfolgte sporadisch etwas Abbau durch einen Steinbruchbetrieb, wohl als "Mitnahmeeffekt". 1923 kam die engültige Stilllegung. Der Steinbruch wurde später als Inertstoffdeponie genutzt.

Durch den ersten Weltkrieg verzögerten sich die Abteufarbeiten der Schachtanlage Holland um acht Jahre. 1925 übernahm die Bergbau AG Lothringen den Betrieb (bis 1927 stillgelegt) und nannte ihn 1938 in Herbede um. Ab 1965 wurde die heute nördlich des Kemnader Stausees liegende Zeche Gibraltar Erbstollen übernommen und unter Tage angeschlossen. Die Zeche war von der Fördermenge eine der kleineren im Revier.


Herbede 1/2
Die Schachtanlage Herbede 1/2 lag am ehemaligen Bahnhof Herbede und war wichtigster Arbeitgeber der damaligen Gemeinde - sie erhielt 1951 die Stadtrechte zur 1100-Jahrfeier. Nur drei Jahre nach der Stilllegung der Zeche im Jahr 1975 erfolgte die Eingemeindung nach Witten. Das Zechengelände lag wenige Meter außerhalb des normalen Überschwemmungsbereichs der Ruhr bei Hochwasser. Aus diesem Grund verläuft hier auch die Bahnlinie, die museal weiter vom Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen genutzt wird.
Die Betriebsanlage ist komplett abgeräumt und mit Gewerbebetrieben überbaut. Die Schächte liegen beidseitig auf Park-/Abstellplätzen neben der Halle eines KFZ-Betriebs und sind an den Schachtdeckeln erkennbar. Am Rand des Kundenparkplatz wurde ein Kohlenwagen zur Erinnerung aufgestellt. Eine Tafel an anderer Stelle informiert zusätzlich über die Zeche. Im Bereich der ehemaligen Halde entstanden Sportanlagen.
Direkt nordöstlich grenzten die Brikettfabrik und die Verwaltung der Zeche Klosterbusch an, die wegen eines fehlenden Bahnanschlusses über eine Seilbahn mit dem Betriebsstandort in Bochum-Querenburg verbunden war. Auch die Zeche Gibraltar hatte hier Betriebsgebäude.

Herbede 3
Für den Abbau im südlichen Feld wurde unter der Bezeichnung Herbede 3 ein Luftschacht abgeteuft, dessen Betriebsfläche renaturiert ist. Nur noch der Revisionsdeckel deutet auf den Schacht hin, der wahrscheinlich nur einen Befahrungshaspel hatte.

Gibraltar
Die Zeche Gibraltar kam nur mühsam zu einem geregelten Betrieb. Ab 1778 wurden mehrere Grubenfelder verliehen, aber schon vor 1796 endete ein geregelter Betrieb. Ab 1830 begann der Vortrieb eines neuen Stollens, der sich zu einem der bedeutendsten im märkischen Bereich entwickelte. Er erreichte eine Länge von knapp zwei Kilometern. Die Förderung erreichte 1922 das Maximum von 117792 t 1922. 1925 erfolgte die Stilllegung.
Von der Anlage ist das Hauptgebäude (Verwaltung) erhalten, das als Bootslager des Sportinstituts der Ruhruniversität dient und in dem auch ein Gastronomiebetrieb arbeitet. Dazu kommen ein Fahrrad- und Inlineskaterverleih, ein Ruderverein und ein Canuclub. Alles ein Hinweis auf den hohen Freizeitwert des Kemnader Sees. Vor dem Gebäude liegt ein voll ausgestatteter Bereich, der für Feiern angemietet werden kann. Ein weiteres Gebäude (Waschkaue und Werkstatt) ist Stützpunkt der Sportler an der Fakultät fur Sportwissenschaft an der RUB. Hier sind die Boote und weitere Wassersportgeräte untergebracht. Vier Studenten, die hier trainierten waren beim Olympiasieg des Deutschlandachters in London 2012 dabei.
Das Stollenmundloch wurde 1985 restauriert und mit einer Feier der Öffentlichkeit übergeben. Der Schacht etwas oberhalb im Hang ist mit einem Schild auf der Schachtabdeckung markiert. Neben dem Stollen steht eine typische Zechenlok mit Kohlewagen aus dem Betrieb unter Tage.
Etwa Anfang 1933 zog der Stahlhelm-Bund in das leer stehende Betriebsgebäude ein. Das Gebäude nutzte auch der Reichsarbeitsdienst für eine Führerschule, ebenso wie die SA. Gibraltar wurde früh zu einem "wilden" Konzentrationslager, das erst aufgelöst wurde, als mit anderen Lagern (u.a. Dachau) das KZ-System institutionalisiert wurde. Daran erinnert eine Gedenktafel.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
Herbede 1 1913 1920 1972 220 1920 - 1972
Herbede 2 1913 1920 1972 625  
Herbede 3 1948 1950 1972 ca. 136  
Gibraltar Stollen 1830 1830 1925    
Schacht Gibraltar 1921 1921 1925 234  


maximale Förderung 367860 t 1970

durchschnittlich 200000 - 300000 t/a


Schacht Herbede 1
Schacht Herbede 1
Schacht Herbede 2
Schacht Herbede 2
Schacht Herbede 1/2
Schachtanlage Herbede 1/2 etwa 1958
Herbede Infotafel
Herbede Infotafel
Herbede Denkmal
Herbede Kohlewagen als Denkmal
Herbede Haldengelände
Herbede Haldengelände
Herbede Haldengelände
Herbede Haldengelände
Gibraltar Panorama
Blick auf Gibraltar über den Kemnader See
Gibraltar Verwaltung
Gibraltar Verwaltungsgebäude
Gibraltar Verwaltung
Gibraltar ehemalige Waschkaue
Gibraltar Waschkaue
Gibraltar Verwaltungsgebäude
Fahrradverleihstation
Gibraltar ehemalige Waschkaue
Gibraltar Verwaltung
Blick von der ehemaligen Waschkaue auf die Verwaltung
Gibraltar Gedenktafel
Gibraltar Gedenktafel
Gibraltar Schacht
Gibraltar Schacht
Gibraltar Schacht
Gibraltar Schacht
Gibraltar Schacht
Blick vom der Plattform am Schacht
Herbede Infotafel
Gibraltar Infotafel
Herbede Denkmal
Grubenlok mit Kohlewagen als Denkmal
Herbede Haldengelände
restauriertes Stollenmundloch
Herbede Denkmal
Blick in das Stollenmundloch
Herbede Haldengelände
Übergabe der Infotafel 1985 mit den örtlichen Knappenvereinen

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