Zeche Holland in Gelsenkirchen-Ückendorf/Wattenscheid

1856 - 1974


Übersicht Holland


Die Schachtanlage hatte anfangs vorwiegend Kapitalgeber, die aus Arnheim stammten und erhielt daher den Namen Holland. Auch die Bennenung von Schacht 3 nach dem Arnheimer Gutsbesitzer Jan-Jacob van Braam erklärt sich damit. Die Hauptanlage befand sich zwar in Wattenscheid, der Kohleabbau ging aber überwiegend unter Gelsenkirchener Gebiet um, da die Felder der Zeche Rheinelbe-Alma nach ihrer Stilllegung 1933 übernommen wurden. Damit war der Bestand der Zeche Holland langfristig gesichert. Von 1957 bis 1966 wurde sie als Holland/Rheinelbe-Alma bezeichnet. Wie die Schächte der Essener Zeche Bonifacius, die ab 1966 zu Holland kamen, dienten sie nur der Bewetterung und zur Seilfahrt.
1897 ging Holland in den Besitz der Gelsenkirchener Zeche Nordstern über und wurde 1926 in die Vereinigten Stahlwerke eingegliedert. Die Zeche hatte auch eine Erzberechtsame, da einige Flözpartien mit Kohleneisenstein angereichert waren. Dieses sog. Blackband wurde bis 1875 abgebaut. Technisch war die Zeche immer gut ausgestattet, was aber eine Reihe größerer Unglücke nicht verhinderte. 1875 starben neun Bergleute bei einem Förderseilriss, 1914 vier weitere durch Steinfall, 1955 drei durch matte Wetter und 1958 lief beim Verfüllen von Schacht 2 die Bergesäule aus, wobei fünf Bergleute starben. Dazu kammen immer wieder Schlagwetterexplosionen (1898 - sieben Tote, 1905 - sechs Tote, 1910 - zehn Tote, 1915 - 14 Tote, 1925 - 18 Tote, 1928 - vier Tote).


Hollansd 1/2
Die Anlage 1/2 in Gelsenkirchen-Ückendorf verlor mit dem Abteufen weiterer Schächte schnell an Bedeutung, da sie eine sehr kleine Betriebsfläche hatte. Für die Nutzung als Seilfahrt-/materialschächte erhielten beide Malakoftürme eingezogene Strebengerüste, die nach der Stilllegung abgebaut wurden. Ab 1927 fand hier nur noch Seilfahrt statt. Als 1958 der Schacht 2 verfüllt wurde brach die Füllsäule durch einen Damm in den Schacht 1 ein. Durch Wasserzuflüsse war das eingebrachte Haldenmaterial zu einer fließfähigen Schlammmasse geworden und in Bewegung geraten. Um die fünf toten Bergleute zu bergen mußte das gesamte Material wieder entfernt werden. Da alle Einbauten zerstört waren wurde die Bergung ihren Trümmer extrem gefährlich und dauerte monatelang. Die beiden letzten vermissten Schachthauer wurden an der tiefsten Stelle im Schachtsumpf gefunden.
Heute sind die verbliebenen Gebäude von besonderer Bedeutung, da hier die einzige erhaltene Doppelmalakoffanlage des Ruhrgebiets steht. Die noch vohandenen Gebäude wurden aufwändig restauriert. Dabei sind exklusive Wohn- und Büroflächen entstanden. Diese Arbeiten gehen auf eine Privatintiative zurück. Die Nutzung reicht von Weinhandel bis zu Ateliers. Ein weiteres architektonisch bedeutendes Detail auf dem ehemaligen Zechenareal ist das Grubenlüftergebäude, eine Arbeit der bekannten Industriearchitekten Schupp und Kremmer von 1925. In diesem Bereich ist Kleingewerbe angesiedelt. Das Ensemble ist Bestandteil der Route der Industriekultur.
Der nördliche Teil der Zechenhalde wurde abgetragen. Hier haben sich Lebensmitteldiscounter und kleine Gewerbebetriebe angesiedelt.

Hollansd 3/4/6
In Wattenscheid enstand unweit der Anlage 1/2 die spätere Hauptschachtanlage 3/4/6. Hier wurde auch die Förderung der übernommenen Zechen gehoben. Auf dem Gelände bestanden nach der Kokereistilllegung 1928 die Verwertungsbetriebe weiter als Chemische Betriebe Holland. Zwischen 1967 und 1971 wurde der Betrieb eingestellt und 1972 alle Anlagen abgerissen. 1974 endete die Kohleförderung. Die Restvorräte gingen unter Tage zur Zeche Zollverein, Seilfahrt und Materialförderung fand noch bis 1983 statt. Daneben wurde für die Gesamtanlage Zollverein die zentrale Wasserhaltung von 1976 - 1988 betrieben. Alle nicht weiter nutzbaren Gebäude wurden abgerissen und das Gelände saniert.
Heute steht noch das Fördergerüst über Schacht 4. Dieses gehörte ursprünglich zum Schacht Zollverein 11, wurde dort nicht mehr benötigt und umgesetzt. Dieses Vorgehen (Translokation) ist nur sehr selten praktiziert worden. Die endgültige Gestaltung des Umfeldes folgte nach Sanierung des Gerüstes ab Herbst 2020. Ein Wattenscheider Unternehmer wollte hier u.a. Büroflächen für den daneben bestehenden Betrieb erstellen. Möglicherweise war dies nur Marketing, da die Umsetzung durch die Bochumer Wirtschaftsentwicklung erfolgte. Die marode Schachthalle wurde abgerissen. Auf der Seilscheibenbühne soll eine zugängliche Aussichtsplattform entstehen. Um das Gerüst entsteht eine Platzanlage mit Sitzgelenheiten und einer Boulebahn. Eine Initiative, Vereine und Parteien hatten sich jahrelang für diese Lösung eingesetzt. Damit ist das letzte erhaltene Fördergerüst auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Wattenscheid erhalten geblieben. Bei der Gerüstsanierung wurde auch der Schachtkopf nue gesichert. Die dokumentiert ein Schrotthaufen am Rande des Baustelle. Neben der alten Betonabdeckung lagen typische Schachteinbauten wie Rohre der Wasserhaltung.
Der Schacht 3 liegt in der Freifläche neben Schacht 4, erkennenbar an Schachtdeckel und Infotafel. Schacht 6 ist mit einem Parkplatz überbaut und nicht markiert. Das Fördermaschinenhaus ist erhalten und wird von einer Druckerei genutzt.
Das restliche Gelände wird teilweise gewerblich genutzt. In den randlich erhaltenen Kokereigebäuden hat sich der übliche Mix aus KFZ-Gewerbe und Handwerk angesiedelt. Insgesamt wirken diese Bereiche leicht unattraktiv. Dagegen hat sich im inneren Bereich ein aufgelockerter Gewerbepark entwickelt mit nur noch wenigen Freiflächen. Der größte neu angesiedelte ist eine Biobäckerei, die hier produziert und einen eigenen Fuhrpark für die Belieferung ihrer Filialen unterhält. Auch eine Hotelkette ist vetreten.
Östlich der Gewerbeflächen wurde ein großer Teil der ehemaligen Kokereifläche aufwändig saniert und zu einem Landschaftspark gestaltet. In den der Kokerei angeschlossenen Chemischen Werke Holland wurden bezolhaltige Öle aus umliegenden Kokereien zu Benzol aufbereitet. Die Pruduktionseinrichtungen gehörten als Nebengewinnunganlagen zur 1928 stillgelegten Kokerei und konnten so weiter genutzt werden. Westlich schließt ein Wohnbereich an. Diese Siedlung wurde als Mehrgenerationenprojekt gebaut unter dem Motto "Wohnen im Alter". Die Wasserflächen werden vom Regenwasser der angrenzenden Wohnbebauung gespeist. In diesem Bereich lag die Zechenhalde. Am Haldenfuß befand sich die "Barbaragrotte" mit einer Figur der Schutzheiligen der Bergleute (auch zuständig für die Feuerwehr und Artillerie).
Besonders zu erwähnen ist ECOTextil, ein Unternehmen, das sich mit ökologischen Methoden bei der Textilgewinnung- und Verarbeitung beschäftigte. Dieses war in den restaurierten Verwaltungsgebäuden untergebracht. Es gehörte zur Steilmanngruppe, die Textilien herstellte. Mit deren Konkurs ist auch dieser Unternehmensteil Geschichte. Heute sind die ehemaligen Gebäude am Zecheneingang vom TGW Technologie- und GründerZentrum Wattenscheid genutzt. Auch wenn sich hier eine ganze Reihe von Betrieben angesiedelt hat ist der ursprüngliche Ansatz offensichtlich gescheitert.
In der südöstlichen Ecke des Zechenareals lag der Landabsatz der Zeche (Märkische Handels GmbH). Er wurde von Raab Karcher übernommen und weiter geführt. Dieser Betrieb wurde 1848 von den beiden Gesellschaftern Friedrich Carl Raab (1777 – 1854) und Heinrich Karcher (1808 – 1875) n Kaiserslautern gegründet als Einkaufsgemeinschaft für Saarkohle. Daraus entwicklte sich ein bundesweites Unternehmen für Brennstoffe (i.w. Kohle und Heizöl. Heute werden Baustoffe für Gewerbekunden gehandelt. Der Standort wurde mit dem Ende des alten Geschäftsnodell aufgegeben und wird von verschiedenen Firmen genutzt.
Die Gebäude am früheren Nebeneingang zur Kokerei beherbergen heute u.a. das Kunstzentrum (seit einigen Jahren vom IBKK betrieben). Hinter dem Kürzel verbirgt sich die etwas sperrige Bezeichnung "Institut für Ausbildung im Bereich Kunst und Kunsttherapie". Hier werden unterschiedlichste Arbeitstechniken unterrichtet, auch Computergrafik und Webdesign. Bei den Fortbildungen und Kursen besteht eine Partnerschaft mit dem Bund internationaler Künstler BiK e.V.. Das Verwaltungsbebäude und die Waschkaue der Kokerei mit dem Torhaus wurden von den bekannten Architekten Schupp und Kremmer gebaut. Heute arbeitet hier eine psychotherapeutische Praxisgemeinschaft.

Holland 5
Der Schacht 5 wurde zum Erschließen der Kohlen im Westen des Grubenfeldes abgeteuft. Er hatte ein kleines Gerüst in Pyramidenbauart. Das erhaltene Betriebsgebäude wurde von einem Gewerbebetrieb übernommen, der größere Teil des Geländes wird von einem Lebensmittel-Discounter genutzt. Der Schacht selbst ist überbaut worden und liegt innerhalb des Betriebs. Betrieblich gehörte er zur Scachtanlage 1/2.
In unmittelbarer Nähe liegen die ebenfalls in Randlage befindlichen Schächte Rheinelbe 5 und Bonifacius 5. Da die Zechengesellschaften unter Konkurrenz standen ergab sich eine solche Situation immer wieder in der Nähe der Markscheiden. Nach der Übernahme der Zeche Rheinelbe wurde der Schacht 5 1934 aufgegeben, da er im Vergleich zum gegenüber liegendemn Schacht Rheinelbe 5 völlig veraltet war. 1935 wurde er verfüllt.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik/Kokerei
1 1856 1860 1958 813 1893 - 1919 (K)
2 1856 1860 1963 822  
3 (van Braam) 1873 1880 1964 683 1903 - 1916 (B)
1880 - 1928 (K)
4 1898 1900 1988 1000  
5 1907 1909 1935 580  
6 1921 1926 1988 1000  
Rheinelbe 2 ab 1933   1965    
Rheinelbe 3 ab 1933   1965    
Rheinelbe 4 ab 1933   1975    
Rheinelbe 5 ab 1933   1975    
Rheinelbe 6 ab 1933   1975    
Alma 1 ab 1933   1968    
Alma 3 ab 1933   1969    
Alma 4 ab 1933   1966    
Alma 5 ab 1933   zu Zollverein    
Bonifacius 1 ab 1966   zu Zollverein    
Bonifacius 2 ab 1966   1975    
Bonifacius 3 ab 1966   1968    
Bonifacius 5 ab 1966   zu Zollverein    


maximale Förderung 1.685470 t 1969
durchschnittlich 1 - 1,5 Mio. t/a


Mit dem Ende der Schachtanlage Holland verlor die damals selbständige Stadt Wattenscheid ihren größten Arbeitgeber und weitere, die von der Zeche abhängig waren. Damit war die Eingemeindung nach Bochum nicht mehr zu vermeiden. Bei den Protesten dagegen war auch der Wattenscheider Unternehmer Klaus Steilmann engagiert. Sein Prinzip in Deutschland zu produzieren ist offensichtlich gescheitert und ob das Forschungskonzept seiner Tochter mit ECO-Textil eher "Marketing" war kann ich nicht bewerten. Auf der Website (2006 von der italienischen Radici-Gruppe übernommen) fehlte dazu jeder Hinweis.
Der Ansatz überschaubare kommunale Strukturen zu schaffen ist sinnvoll, die Umsetzung wohl nur in größeren Verwaltungen machbar. Dazu muß auch der politische Wille vorhanden sein. Dies scheint in Bochum nicht der Fall zu sein. Das Wattenscheider Zentrum wirkt im Vergleich zu anderen (schon früher) eingemeindeten Stadtteilen vernachlässigt. Dazu passt auch die fast unendliche Geschichte um den Erhalt des Fördergerüstes von Schacht 4.



Zeche Holland 1/2 um das Jahr 1900

Zeche Holland 1/2 im Jahr 1912, vorne der Holzlagerplatz

Zechentor Holland 1/2 in den 1920er Jahren

Zeche Holland 1/2 im Jahr 1930, nur noch Seilfahrt/Wetterschacht

Zeche Holland 1/2 um das Jahr 1986 im Dornröschenschlaf

Zeche Holland 1/2 um das Jahr 1986 im Dornröschenschlaf

Ruhrgebierstypisches Baustellenschild zur Renovierung

Eingerüstete ehemalige Waschkaue

Saniertes Förder- maschinengebäude von Schacht 1

Sanierungsdetail am Schacht 1

Kaum veränderte Fassade von Schacht 2

Maschinenhaus im Jahr 2015

Malakoff Rückseite im Jahr 2015

Schacht 1 im Vergleich zu 2002

Schacht 2 im Jahr 2015, neue Mauerung gut erkennbar

Gesamtansicht im Jahr 2020

Maschinenhaus im Jahr 2020

Direktorenwohnhaus, Fördermaschinenge- bäude und Magazin

Lüftergebäude im Jahr 1928

Lüftergebäude im Jahr 2002

Lüftergebäude im Jahr 2015

Lüftergebäude im Jahr 2020
Holland 5
Schacht Holland 5 im Jahr 1930
Holland 5
Gebäude von Schacht Holland 5 im Jahr 2015
Holland 5
Abdeckung Schacht Holland 5 im Jahr 2015
Holland 5
Abdeckung Schacht Holland 5 im Jahr 1930
Holland 3/4/6
Holland 3/4 im Jahr 1910
Holland 3/4/6
Holland 3/4/6 im Jahr 1930 (Verwaltung und Waschkaue)
Holland 3/4/6
Holland 3/4/6 im Jahr 1930 beengt durch die Halde rechts
Holland 3/4/6
Luftbild Holland 3/4/6 aus dem Jahr 1931
Holland 3/4/6
Holland 3/4/6 Zechen- tor im Jahr 1968

Holland 3/4/6 im Jahr 1968 mit Haldenrest und Barbaragrotte

Holland 3/4/6 im Jahr 1957

Schachtdeckel von Holland 3 im Jahr 2015

Schachtdeckel von Holland 3 im Jahr 2015

Schachtdeckel von Holland 3 im Jahr 2016

Schachtdeckel von Holland 3 im Jahr 2020 (vor Neugestaltung)

Schachtdeckel von Holland 3 im Jahr 2020

Schacht Holland 4 1980er Jahre

Schacht Holland 4 1980er Jahre

Schacht Holland 4 noch mit Schachthalle im Jahr 2015

Schacht 4 Sanie- rungsankündigung 2016

Schacht Holland 4 Zustand 2016

Schacht Holland 4 Zustand 2016

Schacht Holland 4 Zustand 2016

Schacht Holland 4 Zustand 2016

Schacht Holland 4 Ende 2020

Schachtkopf Holland 4 Ende 2020 mit Treppenanlage

Bei Schacht- kopfanierung entfernte Schachteinbauten

Befahrungshaspel Schacht 6 um 1985

Vorne Rohrleitung der Wasserhaltung

Befahrungshaspel andere Ansicht

Schacht Holland 6 mit Parkplatz überbaut

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Infotafel an der ehemaligen Verwaltung

Ehemalige Verwaltungsgebäude (Eingangsbereich)

Ehemalige Verwaltungsgebäude (Eingangsbereich)

Ehemalige Lohnhalle

Blick durch den ehemaligen Eingang

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Gebäude der Wohnanlage

Regenrückhaltebecken

Zentrale einer Biobäckerei

Gewerbegebiet Holland

Moderne Bauten im Gewerbebetrieb

Hotel am Rand des Gewerbegebiets

Ehemaliges Verwaltungsgebäude von Raab Karcher

Eingang an der Kokereiseite

Ehemalige Waschkaue der Kokerei

Toranlage der Kokerei

Kunstzentrum in der ehemaligen Verwaltungder Kokerei

Reste der Kokereigbäude (Wertstoffgewinnung)

zur Auswahl